Der moderne Faust

In seinem Theaterstück ‘Geometry of Miracles’ (1998) beschreibt der kanadische Autor Robert Lepage Frank Lloyd Wright als einen Art modernen Faust. In der Wüste von Arizona trifft im Jahr 1929 der Architekt auf den Teufel. Frank Lloyd Wright sitzt vor seinem Zeichenpult, der Teufel will wissen, wer er sei: “Ich bin der größte lebende Architekt, und habe alles bereits erforscht, was es in meinem Beruf zu erforschen gibt.”

Die Lichtgestalt der Architektur vernimmt nichts von den dunklen Wünschen des Anderen. Der Teufel will einen Pakt mit dem Genie schließen. So stellt er die Frage: “Wie kann man aus einer geraden Linie eine dreidimensionale Form machen?” Er verspricht Frank Lloyd Wright die Jugend wieder zu geben, wenn er diese Frage beantworten könne. Mit den Worten “That’s easy” zeichnet Wright eine Spirale. Das Lösen dieser im Jahre 1929 teuflischen Aufgabe (Architektur der Geometrie und Sachlichkeit!) wäre eine Erklärung - aber eben keine besonders rationale - für den erstaunlichen Spätruhm Wrights.

Wahrscheinlich hat der Teufel aber den menschlichen Ausspruch “Alle guten Dinge sind drei” nicht gekannt. Sonst hätte er Wright viel eher gefragt, wie man aus den drei Dimensionen einer Spirale eine Dimension entferne. Hätte Wright, der für seine Spirale im Guggenheim Museum in New York berühmt wurde, diesen Frevel wirklich auf sich genommen?

Jetzt, in nach-dekonstruktivistischer Zeit ist alles möglich. Seien wir auf der Hut!

Michael Brey

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