Archiv für April 2007

Die ‘Waldschlösschenbrücke’ - Mehrheit für den Brückenbau?

Mittwoch, 11. April 2007

“Mehrheit der Dresdener für Brückenbau”, so heißt es in einer Nachricht auf der 1. Seite der Sächsischen Zeitung am 11.04.2007. In einer Grafik wird veranschaulicht, dass 56 % der Dresdner für den Brückenbau wären, 37 % seien dagegen. Die Fragestellung lautete: “Soll mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke begonnen werden?”. Durchgeführt wurde die Umfrage vom Leipziger Institut für Marktforschung.

Dieses Ergebnis erstaunt angesichts der Gesamtstimmung in der Stadt. Trotz der prominenten Platzierung des Umfrageergebnisses und des Umfangs des Artikels werden leider die Grundlagen für die Befragung nicht benannt.

Die Aussage dieser Nachricht ist problematisch. Bei Befragungen sind immer Rückschlüsse von einer Teilmenge auf eine Gesamtheit vorzunehmen. Entscheidend ist, dass der Querschnitt der Befragten eine repräsentative Aussage zulässt. Da keinerlei Informationen zum Hintergrund der Umfrage benannt werden, stellt sich am Ende die Frage nach dem Sinn und Zweck des Artikels.

Der Artikel kommt mit wissenschaftlichem Anspruch daher, steht aber einem meinungsorientierten Leitartikel näher als einer faktenorientierten Nachricht. Es ist zu hoffen, dass der geringe Nachrichtengehalt und der hohe Meinungsgehalt des Textes vom Leserpublikum kritisch zur Kenntnis genommen wird.

Die ‘Waldschlösschenbrücke’ - April, April

Donnerstag, 05. April 2007

Vor fast genau einem Jahr war die Welt in Dresden noch einigermaßen in Ordnung. Wir hatten noch unseren Alten Oberbürgermeister und Dresden war stolz auf seinen Welterbetitel.

Der Oberbürgermeister – inzwischen vom Dienst suspendiert – konstatierte Anfang April 2006, daß in spätestens zehn Jahren ein Neubau des ‚Blauen Wunders’ nötig sei. Diese Elbbrücke verbindet die Stadtteile Blasewitz und Loschwitz und war gerade in „Der Rote Kakadu“ zum Filmstar avanciert. Einen Filmstar sollte man allerdings nicht vorzeitig ins Grab schicken. Warum also dieser schreckenserregende Verweis auf den Verlust eines Dresdner Wahrzeichens.

Ingolf Roßberg reagierte damit auf die von der TU Aachen angefertigte Visualisierung der Waldschlößchenbrücke und wandte sich damit gegen die Kritik der Unesco, diese Brückenplanung gefährde die Integrität des Welterbes. Im Sinne des Verkehrs müsse eine neue Brücke her.

Wie hat sich das Blatt inzwischen gewandelt. Endlich reagiert der Bund auf das Problem in Dresden, das zum Fiasko für das kulturelle Selbstverständnis der Deutschen zu werden droht. In einem Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten optiert ausgerechnet der Bundesverkehrsminister für eine welterbeverträgliche Brückenvariante und bietet sogar an, daß sich der Bund eventuell an den Mehrkosten beteilige.

Damit ist nun ein neues Kapitel eröffnet im Kampf um die Waldschlößchenbrücke und am Ende könnte sowohl die Staatsregierung als auch Dresden als Gewinner dastehen, was momentan aufgrund der divergierenden Haltung beider Seiten zum Brückenbau noch schwer vorstellbar ist.

Michael Brey