Die ‘Waldschlösschenbrücke’ - April, April
Vor fast genau einem Jahr war die Welt in Dresden noch einigermaßen in Ordnung. Wir hatten noch unseren Alten Oberbürgermeister und Dresden war stolz auf seinen Welterbetitel.
Der Oberbürgermeister – inzwischen vom Dienst suspendiert – konstatierte Anfang April 2006, daß in spätestens zehn Jahren ein Neubau des ‚Blauen Wunders’ nötig sei. Diese Elbbrücke verbindet die Stadtteile Blasewitz und Loschwitz und war gerade in „Der Rote Kakadu“ zum Filmstar avanciert. Einen Filmstar sollte man allerdings nicht vorzeitig ins Grab schicken. Warum also dieser schreckenserregende Verweis auf den Verlust eines Dresdner Wahrzeichens.
Ingolf Roßberg reagierte damit auf die von der TU Aachen angefertigte Visualisierung der Waldschlößchenbrücke und wandte sich damit gegen die Kritik der Unesco, diese Brückenplanung gefährde die Integrität des Welterbes. Im Sinne des Verkehrs müsse eine neue Brücke her.
Wie hat sich das Blatt inzwischen gewandelt. Endlich reagiert der Bund auf das Problem in Dresden, das zum Fiasko für das kulturelle Selbstverständnis der Deutschen zu werden droht. In einem Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten optiert ausgerechnet der Bundesverkehrsminister für eine welterbeverträgliche Brückenvariante und bietet sogar an, daß sich der Bund eventuell an den Mehrkosten beteilige.
Damit ist nun ein neues Kapitel eröffnet im Kampf um die Waldschlößchenbrücke und am Ende könnte sowohl die Staatsregierung als auch Dresden als Gewinner dastehen, was momentan aufgrund der divergierenden Haltung beider Seiten zum Brückenbau noch schwer vorstellbar ist.
Michael Brey