August der Starke - Darf ein König lächeln?

Diese Frage scheint aus heutiger Perspektive leicht mit einem ‘ja’ zu beantworten zu sein. Werfen wir einen Blick in das Frankreich Ludwigs XIV., dann geraten wir in eine völlig andere Welt.

Bernini hatte im Jahr seines Frankreichaufenthalts (1665) eine Büste Ludwigs XIV. geschaffen, die einen neuen Standard der Herrscherdarstellung setzte. Die Büste befindet sich in Versailles.

Der junge Herrscher wendet seinen stolzen Blick vom Betrachter ab, Ludwig scheint geradezu über den Betrachter hinwegzublicken.
Würde und Gelassenheit des leicht unterkühlten Gesichtsausdrucks entsprechen den Forderungen des französischen Großen Stils. In eigentümlich römisch-barocker Art hingegen dramatisiert Bernini die Figur durch stark gewellte Haarlocken. Auch die im lebhaften Wechselspiel von Licht und Schatten stehenden tiefen Falten des einen Schuppenpanzer bedenkenden Gewandes stehen im Gegensatz zum gelassenen Gesichtsausdrucks des Königs.

Während seines Aufenthalts in Frankreich stellte Bernini sich immer mehr in Gegensatz zum französischen Klassizismus. Die von ihm geplante, neue Fassade für den Louvre wird aufgrund ihrer Bewegtheit und Plastizität als unpassend empfunden. Als Bernini Jahre später ein Reiterstandbild für den König entwirft, findet es keineswegs das Wohlgefallen Ludwigs. Tatsächlich soll das Reiterstandbild aufgrund eines unschicklichen Lächelns des Königs abgelehnt worden sein. Ludwig ließ sich gerne mit dem Ausdruck würdevoller Gelassenheit oder - in Schlachtenbildern - voll leidenschaftlicher Kühnheit darstellen.

DER FRANZÖSISCHE ABSOLUTISMUS

Hier lohnt ein Blick auf die Genese der französischen Variante des Absolutismus.

Die französischen Stände hatten Ludwig in der politisch so unruhigen Zeit des ausgehenden 30-jährigen Krieges und des blutigen Bürgerkriegs in England die geeignete Vorlage gegeben um ihre Macht während der Fronde in die Schranken zu weisen. Dieser fünf Jahre dauernde Bürgerkrieg in Frankreich hatte seine Wurzeln in der zunehmenden Beschränkung der Macht der Aristokratie und der gesetzgebenden Körperschaften, der “Parlements”. Richelieu, Mazarin und die für ihren Sohn regierenden Königin Anna von Österreich standen im Gegensatz zu den Ständen.

Am Ende dieser dramatischen fünf Jahre blieben das Königtum und der Erste Minister Mazarin siegreich. Die Aristokratie und die Parlemente hatten aufgrund zu großer Eigeninteressen und vehementer Rivalitäten untereinander ihre relativ starke Ausgangsstellung verloren. Mußten Mazarin und Anna von Österreich im Frieden von Rueil (1.4.1649) noch weitgehende Zugeständnisse an die Fronde machen, so endeten die Auseinandersetzungen mit dem Einzug des Königs in Paris (21.10.1652) auf triumphale Weise zugunsten der Monarchie.

In der Kunst findet dieses Selbstverständnis der absoluten Machtentfaltung schon früh seinen Ausdruck und sein williges Instrument. Während der König die politischen Entscheidungen vor allem auf neu gegründete Ausschüsse und Gremien verlagerte, hatten die zahlreichen neu gegründeten Akademien die Aufgabe Kunstpolitik im Sinne des Königs zu machen. Charles Le Brun spielte innerhalb des entstehenden Akademiebetriebs die Hauptrolle und konnte im Verlauf von drei Jahrzehnten dem Kulturleben unter Ludwig XIV. eine klare Form geben. Dieser französische Klassizismus wurde für den Rest Europas verbindlicher Ausdruck der Gloire des französischen Königs und damit zugleich des französischen Staates.
Bildhauer wie Girardon und Coysevox und Maler wie Rigaud, Mignard und Coypel erhielten fortan auch Aufträge auswärtiger Herrscher.

AUGUST DER STARKE

Louis de Silvestre, August der Starke; Copyright: Staatliche Kunstsammlungen DresdenAuch August der Starke hatte zahlreiche französische Künstler mit Aufträgen bedacht. Die Orientierung an der französischen Kunst wird vor allem bei der Berufung von Louis de Silvestre deutlich.

Louis de Silvestre durchlief die klassische französische Ausbildung, bevor er 1716 an den Hof August des Starken nach Dresden berufen wurde. Nach seiner Ausbildung bei Le Brun und Bon Boullongne ging er 1693 durch Förderung der Académie royale de peinture et de sculpture nach Rom und wurde dort vom Klassizisten Carlo Maratti stark beeinflußt. Nach Frankreich zurückgekehrt, wird er 1702 in die Académie aufgenommen und vier Jahre später Professor an dieser Einrichtung. Als Hofmaler in Dresden weicht er jedoch in signifikanter Weise von den Porträts seiner französischen Kollegen ab.
In den Dresdner Bildern Silvestres wird immer stärker ein flämischer Einfluß spürbar, die Porträts erhalten einen intimeren Charakter. Vor allem die Porträts Augusts des Starken in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden und auf dem Wawel in Kraków zeigen einen König mit gelöstem Gesichtsausdruck, dem auch ein leichtes Schmunzeln nicht versagt wird. Auch auf einer Stadtführung in Dresden ist bis heute noch die Gelassenheit und Diesseitigkeit des augusteischen Zeitalters spürbar, wenn man sich das Porträt des Königs am Dresdner Fürstenzug betrachtet.

Michael Brey

2 Antworten zu “August der Starke - Darf ein König lächeln?”

  1. katrin sagt:

    ich find ihn so richtig toll .. das thema mag ich .. bb euer aaugust der dtarke fan

  2. katrin sagt:

    klar darf er mal lächeln und das hatte er bestimmt auch gemacht

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