Neue Zahlen vom Dresdner Hotelmarkt
2006 war ein Ausnahmejahr für den Tourismus in Dresden. Die Frauenkirche ist Ende 2005 eröffnet worden, was sich auf die Tourismuszahlen erst 2006 positiv auswirken konnte. Am 11. September 2006 kommt die Eröffnung des historischen Grünen Gewölbes hinzu. Es schien, dass sich nach dem verheerenden Einbruch des Reiseverkehrs in Dresden in Folge der Flut 2002 nun wahrhaft die Schleusen geöffnet hätten zu besseren Tourismuszahlen.
Nun war aber schon im letzten Jahr ein wenig der Katzenjammer zu spüren, als die neuesten Zahlen der ankommenden und der übernachtenden Reisegäste veröffentlicht wurden. Die Rückgänge wurden hinwegerklärt mit dem Verweis auf den Ausnahmecharakter des Tourismusjahres 2006. Ein Jahr später wiederum gilt dieses Deutungsmuster nicht mehr. Denn 2007 war kein Ausnahmejahr und dennoch fielen entscheidende Kennzahlen für das erste Halbjahr 2008 bereits jetzt verheerend aus.
Im neuesten Report des Unternehmens PKF hotelexperts über den deutschen Hotelmarkt (http://www.pkfhotels.com/) fiel die Zimmerbelegung im ersten Halbjahr 2008 (57,9 %) um knapp 10% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 1. Halbjahr 2007 (67,3%). Während die Zimmerbelegung im Vergleichszeitraum etwa in Leipzig um über 4% zunahm (1. Halbjahr 2007: 64,4 % / 1. Halbjahr 2008: 68,7%) hatte Dresden sich völlig entgegen dem Trend entwickelt. Der RevPar sei in Dresden gar um 16 % gefallen, während er in Leipzig, Berlin, Düsseldorf, Nürnberg, Stuttgart und den meisten andern Schwergewichten unter den wichtigsten Destinationen für Städtereisen in Deutschland kräftig gestiegen sei. In Düsseldorf als Spitzenreiter unter den RevPar-Zuwächsen legte der Wert um über 50% zu. Neben Dresden ist nur in München unter den 10 wichtigsten städtischen Tourismusdestinationen in Deutschland der RevPar mit knapp über 6% gesunken. Dresden hält für das erste Halbjahr 2008 allerdings leider den Negativrekord.
Was wird eigentlich mit dem RevPar als Kennzahl kommuniziert? Der Revpar gibt den Erlös pro verfügbarem Zimmer an. Mit diesem Wert kann man Hotels unterschiedlicher Größe vergleichen und erhält so einen validen Überblick über den gesamtdeutschen Hotelmarkt. Nehmen wir ein rechnerisch leicht nachzuvollziehendes Beispiel: Von den 100 Zimmern eines Hotels sind 50% belegt. Der Durchschnittspreis aller Zimmer beträgt 100,- Euro. Der Tageserlös von 5.000 Euro wird nun durch die Gesamtzahl der verfügbaren Zimmer geteilt und so erhält man den RevPar, die ‘revenue per available room’ (= Umsatz je verfügbarem Raum).
Nun lag der Revpar für den Dresdner Hotelmarkt mit 54,53% für das erste Halbjahr 2007 eher im Mittelfeld in Deutschland. Der Spitzenreiter München etwa verfügte im Vergleichszeitraum über einem RevPar von 78,17. Leipzig lag übrigens abgeschlagen bei 37,76. Nur noch Dortmund war vergleichbar mit Leipzig unter den ersten Zehn des deutschen Städtetourismus mit einem RevPar von 37,05. Dortmund und Leipzig lagen für das erste Halbjahr 2008 gleichauf mit einem RevPar von knapp über 43. Während also Dortmund und Leipzig stark zugelegt hatten fiel der RevPar in Dresden von 54,53 auf 45,82, Tendenz wohl weiter fallend.
Und hier kommen wir zum Hauptpunkt. Auch wenn der RevPar ein durchaus volatiler Wert ist und ständigen, zuweilen sehr hohen Schwankungen unterliegt, so wird sich für Dresden in absehbarer Zeit wenig ändern. Das Signal in die falsche Richtung ist die öffentliche Förderung des Beherbungssektors in Dresden. Damit wird sich der Dresdener Hotelmarkt strukturell weiterhin in die falsche Richtung bewegen.
Aufgrund von beträchtlichen Investionszulagen wächst der Dresdner Hotelmarkt derzeit über die Maßen stark. Der Neubau von Hotels wird bis zum 31.12.2009 (Investionsbeginn; Abschluss 01.01.2010) mit erheblichen Zulagen gefördert. So werden bis Anfang nächsten Jahres trotz der mittelfristig trüben Aussichten für den Hotelmarkt in Dresden zahlreiche weitere Herbergen entstehen. Alleine der neue PKF Report lässt alle Alarmglocken klingeln. Entstehen weitere Beherbergungsstätten, werden die Hotels weitaus weniger Zimmer als bisher vermieten können oder den Preis pro Zimmer herabsetzen, um wenigstens die Auslastung zu halten und mit positiver strategischer Ausrichtung auf dem Markt platziert zu sein.
Damit wird sich in den nächsten Jahren das Profil der Nachfrage nach Dresdenreisen ändern. Es werden zunehmend weniger Gäste die Stadt aufgrund ihres kulturellen Gehalts besuchen. Semperoper, Grünes Gewölbe und Frauenkirche werden zwar weiter wichtige Faktoren für die Kaufentscheidung einer Dresdenreise bleiben. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Übernachtungsgäste wird der Anteil der Kulturreisenden allerdings merklich abnehmen.
Michael Brey