Böttgers Flucht

Als Johann Friedrich Böttger von August dem Starken nach Dresden verbracht wurde, war er  noch nicht einmal 20 Jahre alt. Sein kurzes Leben allerdings bot schon jetzt ausreichend Stoff für einen spannenden historischen Roman.

Als Sohn des Münzmeisters von Schleiz war Böttger 1682 geboren worden. Seine Eltern verließen allerdings schon bald Schleiz. Böttger ist noch nicht einmal ein Jahr alt. Noch eingreifender als der Ortswechsel in das von der Pest und anderen Seuchen geplagte Magdeburg, wirkte sich der Tod des Vaters kurz nach dem Umzug aus. Wie verzweifelt musste Ursula Böttger nach einem möglichen Ausweg aus der Misere gesucht haben.

Böttgers Mutter heiratete schon bald wieder. Drei Jahre waren seit dem Tod des Ehemannes vergangen, als Johann Friedrich Tiemann als neuer Stiefvater ins Leben Böttgers trat. Es scheint, dass Tiemann seinen Stiefsohn in außergewöhnlicher Weise förderte. Tiemann selbst war Beamter beim Festungsbauwesen in Magdeburg und vermittelte dem begabten Jungen schon früh tiefgehende naturwissenschaftliche Kenntnisse. Die Entscheidung Böttger im zarten Alter von 14 Jahren nach Berlin in die Lehre des Apothekers Zorn zu geben, belegt das Vertrauen von Mutter und Stiefvater in die Fähigkeiten des Kindes. Die Apotheke von Zorn lag dicht neben der Nikolaikirche in Berlin.

Während die Vorstellungen der Eltern sicher darauf hinausgingen, dass er Arzt wird, beginnt sich Böttger in Berlin immer mehr für die Alchemie zu interessieren. Vor dem Leipziger Tor experimentierte damals Christian Siebert, der auf der Suche nach dem Stein des Weisen war. Böttger verlässt schon nach zwei Jahren die Zornsche Apotheke, kehrt aber auf dem Weg nach Breslau um. EIn Jahr später verlässt er wieder die Apotheke von Zorn. Vermutlich beeinflusst von Siebert, war Böttger selbst in den magischen Strudel der jahrhundertealten Suche nach dem Stein des Weisen geraten. Als er dann den vermeintlich griechischen Mönch Lascaris kennenlernte, gab dieser ihm eine ‘Rote Tinktur’. Diese sollte die Transmutation, also die Verwandlung von Grundmetallen in Gold, möglich machen.

In der Apotheke seines Lehrmeisters Zorn belegt Böttger am 1. Oktober 1701 seine Fähigkeit Gold herzustellen. Er hatte silberne Münzen in solche aus Gold verwandelt.

Als der preußische König auf Böttger aufmerksam wird, lädt er ihn in das Berliner Schloss vor. Böttger weiß, was mit hochstapelnden Alchemisten geschieht. Ihnen droht die Folter oder gar die Todesstrafe. So flieht er ins sächsische Wittenberg zu seinem Onkel Kirchmeier. Böttger wird nun zum Grund politischer Verwicklungen zwischen Preußen und Sachsen.

Der preußische König schickt Soldaten nach Wittenberg, die Böttger zurückbringen sollen. Der Amtshauptmann Wittenbergs hat Böttger allerdings festsetzen lassen und verweigert die Herausgabe Böttgers an die Preußen.  Böttger sei in Schleiz geboren und damit sächsischer Staatsbürger. Am 20. November veranlasst August d. Starke in einem Schreiben einen seiner engsten Vertrauten, Egon von Fürstenberg, die Verlagerung des vermeintlichen Goldmachers aus Wittenberg ins sichere Dresden.

Dort trifft Böttger nur knapp 2 Monate nach seinem berühmt gewordenen Berliner Transmutationsversuch am 29. November ein. Direkt an der heutigen Brühlschen Terrasse befand sich damals das Palais des Statthalters von Fürstenberg, wo Böttger zusammen mit den Bergleuten Pabst von Ohain und Dr. Nehmitz eingesperrt wird. Der Statthalter und die beiden Bergleute sollen die Glaubwürdigkeit Böttgers prüfen. Böttger kann den Statthalter von seinen Fähigkeiten überzeugen. Damit beginnt die Tragödie von Böttgers Leben und die Geburt des Europäischen Hartporzellans.

Michael Brey

Eine Antwort zu “Böttgers Flucht”

  1. Christof von Tschirnhaus sagt:

    INFO

    Trottel in der Alchemistenküche

    Der Zeichner Lutz Anke nähert sich per Comic Sachsens Porzellan-Erfinder Böttger an

    Chemnitz. Die Frage, ob historische Persönlichkeiten als Comic-Charaktäre eine passende Figur abgeben können, stellt sich seit Asterix eigentlich nicht mehr: Längst ist klar, dass von Albert Uderzo gezeichnete Gestalten wie Julius Cäsar nicht nur als Ulknummer verwendet, sondern auch im geschichtlichen Zusammenhang durchaus korrekt und lehrreich dargestellt werden.

    Die Idee, sich des reichen Fundus schillernder sächsischer Persönlichkeiten zur Kreation einer Comic-Geschichte zu bedienen, ist daher eigentlich naheliegend. Als erster umgesetzt hat sie nun der Chemnitzer Zeichner und Autor Lutz Anke, der sich in seinem eben erschienenen Debüt-Album “Johann Friedrich Böttger und der Erfindung des Porzellans” widmet. Berücksichtigt man die Tatsache, dass es in Deutschland für einen Comic-Schöpfer kaum Möglichkeiten zur Veröffentlichung (und damit Entwicklung) gibt und ein solcher zudem Talente von Zeichner, Geschichtenerzähler, Dramaturg und Drehbuch-Autor in sich vereinen muss, kann man das Ergebnis nur als sehr gelungen bezeichnen: Anke schafft es wie den Asterix-Heften, seine Hauptfigur ordentlich vom Sockel zu holen und dabei besser in den zeitlichen Kontext einzuordnen. Böttger, von der Geschichtsschreibung längst zum noblen Forscher und legendären Gründervater der weltberühmten Porzellanmanufaktur Meißen aufpoliert, kommt im Heft nämlich ziemlich schlecht weg. Als Apotheker-Lehrling experimentiert er stümperhaft mit Liebestränken und Goldmacherei herum, um sich Frauen gefügig zu machen. Doch der Ruf, den er sich damit herbeiblendet, wird schnell zum Fluch: Fürsten wie August der Starke sind scharf auf die angeblichen Künste des jungen Mannes - der jedoch zwangsläufig versagt und damit in Teufels Küche gerät.

    Gerettet wird Böttger, der selber wenig auf dem Kasten hat, von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Gottfried Pabst von Ohain, die schon länger am Porzellan experimentieren und denen er zur Hand gehen soll. Dass ausgerechnet Böttgers Name mit der bedeutenden Erfindung später in Zusammenhang gebracht wird, ist dann einer Kette von Zufällen geschuldet, durch die der wenig sympathische Anti-Held mehr stolpert als schreitet.

    Trotz vieler künstlerischer Freiheiten, die sich Anke herausnimmt, dürfte sein Bild des Alchimisten ein trefflicheres sein als das vieler Geschichtsbücher, was auch für die Darstellung August des Starken als cholerischem und wenig sinnlichem Lustmolch gilt. Mit einem etwas schrulligen, aber schon sehr eigenen Zeichenstils hat Anke die Story kurzweilig und deftig verpackt. So macht Sachsens Geschichte Spaß!

    Lutz Anke: “J.F. Böttger & Die Erfindung des Porzellans”, Die Verlagsgesellschaft 2008, 52 Seiten (Schwarzweiß-Zeichnungen), 12 Euro, ISBN: 978-3940418197

    Von Tim Hofmann
    Erschienen am 29.12.2008

    © Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG

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