Die ‘Käseglocke’ - ein Dresdner Wahrzeichen

Als die ‘Käseglocke’ 1928 als Straßenbahnwartehäuschen und Zugang zur unterirdischen Toilette gebaut wurde, war sie einer der letzten Neubauten am Dresdner Postplatz vor dem zweiten Weltkrieg. Ungemein charmant verbindet das kleine Gebäude mit seinem klaren kreisrunden Grundriss, der schmucklosen,  von großen Fensterflächen geprägten Fassade und dem chinoisen Dachaufsatz den Anspruch der klassischen Moderne mit dem Flair der Dresdner Altstadt. Diesem Kontrast des modernen Unterbaus mit dem ganz anders gearteten, wie ein Fremdkörper wirkenden Dachaufsatz verdankt das Gebäude auch den leicht befremdlichen Namen ‘Käseglocke’.

Dieser Zwitter aus Tradition und klassischer Moderne ist der letzte historische, unmittelbar am Postplatz gelegene Bau. Jahrzehnten lang war die ‘Käseglocke’ der Ruhepol inmitten des chaotischen Gewirrs aus Straßenbahngleisen am Postplatz. Mit dem Neubau der zentralen Straßenbahnhaltestelle steht der Bau funktionslos inmitten des heute völlig strukturlosen Postplatzes.

Nach der Expo Real in München kam es in den letzten Jahren stets zur Ankündigung von Realisierungsvorhaben von Hotelneubauten, Seniorenheimen, Riesenaquarien etc. am Postplatz. Die diesjährige Internationale Fachmesse für Gewerbeimmobilien findet vom 6. bis 8. Oktober in statt. Auch in diesem Jahr steht der Postplatz ‘zum Verkauf’.

Während sich die ‘Käseglocke’ heute inmitten der Leere zu behaupten hat, könnte hier schon bald ein lebendiger Platz entstehen.

Michael Brey

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