Böttgers Flucht
Sonntag, 07. September 2008Als Johann Friedrich Böttger von August dem Starken nach Dresden verbracht wurde, war er noch nicht einmal 20 Jahre alt. Sein kurzes Leben allerdings bot schon jetzt ausreichend Stoff für einen spannenden historischen Roman.
Als Sohn des Münzmeisters von Schleiz war Böttger 1682 geboren worden. Seine Eltern verließen allerdings schon bald Schleiz. Böttger ist noch nicht einmal ein Jahr alt. Noch eingreifender als der Ortswechsel in das von der Pest und anderen Seuchen geplagte Magdeburg, wirkte sich der Tod des Vaters kurz nach dem Umzug aus. Wie verzweifelt musste Ursula Böttger nach einem möglichen Ausweg aus der Misere gesucht haben.
Böttgers Mutter heiratete schon bald wieder. Drei Jahre waren seit dem Tod des Ehemannes vergangen, als Johann Friedrich Tiemann als neuer Stiefvater ins Leben Böttgers trat. Es scheint, dass Tiemann seinen Stiefsohn in außergewöhnlicher Weise förderte. Tiemann selbst war Beamter beim Festungsbauwesen in Magdeburg und vermittelte dem begabten Jungen schon früh tiefgehende naturwissenschaftliche Kenntnisse. Die Entscheidung Böttger im zarten Alter von 14 Jahren nach Berlin in die Lehre des Apothekers Zorn zu geben, belegt das Vertrauen von Mutter und Stiefvater in die Fähigkeiten des Kindes. Die Apotheke von Zorn lag dicht neben der Nikolaikirche in Berlin.
Während die Vorstellungen der Eltern sicher darauf hinausgingen, dass er Arzt wird, beginnt sich Böttger in Berlin immer mehr für die Alchemie zu interessieren. Vor dem Leipziger Tor experimentierte damals Christian Siebert, der auf der Suche nach dem Stein des Weisen war. Böttger verlässt schon nach zwei Jahren die Zornsche Apotheke, kehrt aber auf dem Weg nach Breslau um. EIn Jahr später verlässt er wieder die Apotheke von Zorn. Vermutlich beeinflusst von Siebert, war Böttger selbst in den magischen Strudel der jahrhundertealten Suche nach dem Stein des Weisen geraten. Als er dann den vermeintlich griechischen Mönch Lascaris kennenlernte, gab dieser ihm eine ‘Rote Tinktur’. Diese sollte die Transmutation, also die Verwandlung von Grundmetallen in Gold, möglich machen.
In der Apotheke seines Lehrmeisters Zorn belegt Böttger am 1. Oktober 1701 seine Fähigkeit Gold herzustellen. Er hatte silberne Münzen in solche aus Gold verwandelt.
Als der preußische König auf Böttger aufmerksam wird, lädt er ihn in das Berliner Schloss vor. Böttger weiß, was mit hochstapelnden Alchemisten geschieht. Ihnen droht die Folter oder gar die Todesstrafe. So flieht er ins sächsische Wittenberg zu seinem Onkel Kirchmeier. Böttger wird nun zum Grund politischer Verwicklungen zwischen Preußen und Sachsen.
Der preußische König schickt Soldaten nach Wittenberg, die Böttger zurückbringen sollen. Der Amtshauptmann Wittenbergs hat Böttger allerdings festsetzen lassen und verweigert die Herausgabe Böttgers an die Preußen. Böttger sei in Schleiz geboren und damit sächsischer Staatsbürger. Am 20. November veranlasst August d. Starke in einem Schreiben einen seiner engsten Vertrauten, Egon von Fürstenberg, die Verlagerung des vermeintlichen Goldmachers aus Wittenberg ins sichere Dresden.
Dort trifft Böttger nur knapp 2 Monate nach seinem berühmt gewordenen Berliner Transmutationsversuch am 29. November ein. Direkt an der heutigen Brühlschen Terrasse befand sich damals das Palais des Statthalters von Fürstenberg, wo Böttger zusammen mit den Bergleuten Pabst von Ohain und Dr. Nehmitz eingesperrt wird. Der Statthalter und die beiden Bergleute sollen die Glaubwürdigkeit Böttgers prüfen. Böttger kann den Statthalter von seinen Fähigkeiten überzeugen. Damit beginnt die Tragödie von Böttgers Leben und die Geburt des Europäischen Hartporzellans.
Michael Brey
Auch August der Starke hatte zahlreiche französische Künstler mit Aufträgen bedacht. Die Orientierung an der französischen Kunst wird vor allem bei der Berufung von Louis de Silvestre deutlich.